Brennende Hexe

Aus Baronie Schwarzenfels
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Das Gasthaus Brennende Hexe liegt im Norden des Dorfes Stolzenfuß.

Geschichte und Bedeutung

Besteht das alte Gemäuer auch nur aus einer Küche, einem angelagerten Lagerraum und einem sehr überschaubaren Gastraum, so ist die Taverne doch in der ganzen Baronie Schwarzenfels bekannt und ein beliebter Rastplatz für Reisende auf ihrem Weg von oder in die Hauptstadt. Auch wenn der aktuelle Eigentümer Johann Ferfan diese Aussage wohl nicht unterstützen würde, so ist der Ruhm der Gaststätte weder auf das qualitativ als im besten Fall mäßig einzustufende Essen, noch auf die recht eingeschränkte Getränkeauswahl zurückzuführen. Vielmehr liegt es an der Geschichte dieses Ortes, der zu seiner Bekanntheit im ganzen Land beigetragen hat.

Die Legende besagt, dass einst eine böswillige alte Jungfer diesen Ort bewohnte. Gemieden und gefürchtet von der restlichen Dorfbevölkerung sagte man ihr den Gebrauch von dunkler Magie nach, mit der sie sich Tiere untertan machte und hin und wieder auch Dorfbewohner verfluchte, die nicht ihren Wünschen nachkommen wollten. So lebte sie über Jahre hinweg in dem kleinen Dörfchen und niemand hatte den Mut und die Mittel, es mit ihr aufzunehmen. Und wahrscheinlich wäre dieser Zustand auch noch viele Jahre so geblieben, wäre das Schicksal dem kleinen Ort nicht in Form eines kleinen Jungen erschienen. Tom Balduin, ein Lausbub wie er im Buche steht, klein von Statur, aber sehr umtriebig und neugierig, erkundete seit klein auf das Gebiet um seinen Geburtsort Stolzenfuß und schon in seinem jungen Alter von 9 Jahren war er sehr mutig und auch die düsteren Geschichten um die alte Vettel im Norden des Dorfes schreckten ihn nicht. Ganz im Gegenteil erweckten die Geschichten sogar eine unstillbare Begierde ihn ihm, herauszufinden, was sich in der kleinen Hütte der Hexe wohl so ereignen möge. Und trotz aller Verbote und Warnungen seines Vater büchste Tom eines Nachts aus dem häuslichen Schlafzimmer aus, schlich durch die ruhigen Gassen des Dorfes und erreichte so bald das Heim der Hexe. Von drinnen drang ein difuses Licht nach außen und je näher Tom dem Haus kam, umso kälter und abweisender schien ihm dieser Ort zu werden. Dennoch setzte er einen Fuß vor den anderen, lautlos wie eine Katze und erreichte schließlich einen kleinen Vorsprung, auf den er klettern und durch ein rissiges Fenster ins Innere blicken konnte. Wie gebannt erblickte er die alte Vettel, wie sie gerade Tinkturen mischte. Auf dem Tisch lag ein totes Huhn, dem offensichtlich der Kopf abgetrennt worden war, gelblicher Dampf stieg aus einem schweren Kupferkessel, der über einer Feuerstelle hing, auf und überall entdeckte Tom Vogelfedern, Knochen und Blut - frisches wie eingetrocknetes. Wie gebannt schaute er der Frau bei ihren Ritualen zu, wie sie mit einem irren Lächeln im Gesicht für ihn unverständliche Worte vor sich hin murmelte, während sie eine umherlaufende Maus packte und sie quiekend in den Kessel warf. Dies war dann sogar für Tom zu viel und ein angsterfüllter und angewiderter Schrei entfuhr seinem Mund. Ruckartig wand die Vettel den Kopf und stierte ihn mit dunklen Augen an. Und während sie langsam auf ihn zukam, wollte Tom einfach nur weglaufen, aber seine Beine gehorchten seinen Befehlen nicht. Als ob eine fremde Kraft in festhalten würde, konnte er sich keinen Meter rühren. Und als die Vettel das Fenster aufmachte und ihn mit einer Kraft, die man dieser alten Frau niemals zugetraut hätte, in ihre Behausung zog, überkam ihm noch mehr Panik - doch er konnte kaum seine Gliedmaßen bewegen. "Du dummes kleines Balg! Wie kannst Du es wagen? Du wirst anderen als mahnendes Beispiel dienen, auf dass mich niemals wieder jemand behelligen wird!" Und mit diesen Worten nahm sie ein großes Messer von einem Tisch und hielt es Tom direkt unter die Nase. Tom, der sich nach wie vor nicht bewegen konnte, sah schon sein letztes Stündchen gekommen und in einem Akt der Verzweiflung flehte er sich an: "Nein, bitte töte mich nicht!" In diesem Augenblick veränderte sich der Gesichtsausdruck der Hexe. Sie entblößte ihre fünf vergilbten Zähne, verzog den Mund und aus ihrem Hals drang ein kehliges, aber nicht unfreundliches Lachen als sie ihn aus ihren runzligen Augen anblitzte und sagte: "Dich töten?! Was für dummes Zeug erzählst denn Du da nur, Kind? Glaubst denn Du wirklich die ganzen Schauergeschichten, die im Dorf über mich erzählt werden? Ich wollte Dir lediglich einen Schrecken einjagen, auf dass Du Dich nie wieder hierher verirren mögest. Ist es denn so schlimm, dass man mir sogar Kindsmord unterstellt?" Sie ließ das Messer fallen und drehte sich von ihm weg. Und plötzlich erschien Tom diese sagenumwobene mächtige Hexe nur noch als eine alte Frau, die einfach in Ruhe gelassen werden wollte und gar nicht so grausam war, wie man sich über sie erzählte. Sicherlich tat sie verwerfliche Dinge, die eine einfache Bauersfrau niemals tun würde, braute Tränke und benutzte dafür auch Tiere, aber in diesem Moment zweifelte Tom daran, dass sie jemals jemanden verflucht hatte oder eine bösartige Frau war. Und als plötzlich seine Schockstarre nachließ, streckte er die Hand aus und berührte die alte Frau. Diese Berührung, etwas, das die Frau wohl schon seit vielen Jahren nicht mehr erlebt hatte, erschreckte sie zutiefst. Sie stieß einen überraschten Schrei aus, wich zwei Schritte zurück und stolperte über den Kessel, der hinter ihr stand. Sie fiel, stürzte ins Feuer, während sich der Kesselinhalt über sie ergoss und ging in Flammen auf. Mit aufgerissenen Augen starrte Tom auf das dramatische Schauspiel, dass sich ihm bot und plötzlich übernahm der Fluchtgedanke sein Handeln und laut schreiend rannte er aus dem Haus während die Schreie der alten Frau erstarben...


Viele, sehr viele Jahre später kehrte Tom im Mannesalter zu dem Ort zurück, an dem er seine Kindheit verloren hatte. Die Flammen waren lange gelöscht, die Ruine kaum noch zu erkennen. Er erinnerte sich nur zu gut daran, welch Unrecht man der alten Frau angetan hatte und welche Folgen üble Verleumdungen anrichten konnten. Und damals entschied er sich, auf den Ruinen des Hauses eine kleine Gaststätte zu bauen und jedem Reisenden, der sie besuchen würde, sollte die Geschichte erzählt werden, wie wankelmütig scheinbare Wahrheiten oft sein können. Und so nannte er dann auch seine Taverne und dieser Name besteht seit vielen Generationen: Brennende Hexe.